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Interview mit Martin Krist zu seinem Thriller „Drecksspiel“

Der Monat November steht ganz im Zeichen von Martin Krist. Um uns die Wartezeit bis zu seiner Lesung in meinem Wohnzimmer etwas zu verkürzen, hat mein Lieblingsautor sich die Zeit genommen und mir einige Fragen beantwortet.

Lieber Martin, wer Deinen neuen Thriller „Drecksspiel“ gelesen hat, der weiß, dass der Roman nach einer Fortsetzung schreit. Steht jetzt schon fest, wie viele Folgen diese Reihe haben wird? Und auf welche Zeitabstände müssen sich die Leser einstellen?

Martin Krist: Geplant sind erst einmal drei Thriller im Abstand von jeweils einem Jahr. Jeder der Thriller funktioniert im Prinzip für sich alleine mit einer eigenen Kriminalgeschichte. Alle drei Romane verbindet allerdings die Geschichte meiner Hauptfigur David Gross.
Sollte David bei meinen Leserinnen und Lesern gut ankommen, könnte ich mir vorstellen, weitere Abenteuer mit ihm als Protagonisten zu schreiben. Mir zumindest ist er sehr sympathisch – und an Ideen mangelt es ganz sicher nicht.

 „Drecksspiel“ ist jetzt seit einem Monat auf dem Markt. Bist Du zufrieden mit dem Feedback?

Martin Krist: Eines ist sicher, ich bekomme zu „Drecksspiel“ enorm viel Feedback. Ob es mich immer zufriedenstellt, das ist eine andere Frage. Aber ich bin mir bewusst: Geschmäcker sind verschieden, weswegen ich auch niemals alle Geschmäcker vereinen kann. Außerdem war mir von Anfang an klar, dass sich an „Drecksspiel“, seinen Figuren, den raschen Szenenwechseln, dem hohen Tempo, der komplexen Geschichte die Geister scheiden werden. Ich glaube aber, wer sich dafür die Zeit und Ruhe nimmt, erlebt einen spannungsgeladenen, vor allem aber auch sehr authentischen Großstadtthriller der anderen Art.

Ja, Du hast Recht, das „Drecksspiel“ ist anders als andere Thriller. Wie bist Du auf die Idee gekommen, ihn so anders zu schreiben?

Martin Krist - DrecksspielMartin Krist: Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt so etwas wie eine Idee gab, die mich dazu brachte, „Drecksspiel“ genau so zu schreiben. Wer meine Kalkbrenner-Thriller („Wut“, „Gier“, „Trieb“) kennt und „Die Mädchenwiese“ gelesen hat, der weiß, dass ich eine diebische Freude habe an verworrenen Handlungen, schnellen Szenenwechseln, hohem Tempo und Geschichten, die – ich sage mal – nahe dran sind an der Straße.

Als ich vor mehr als zwei Jahren das Konzept zu „Drecksspiel“ (und seinen Nachfolgern) erarbeitet habe, war mir schnell klar, dass der Roman wenn überhaupt nur so funktionieren kann, wie er jetzt veröffentlicht worden ist. Ein „Drecksspiel“ ist eben nicht nur das, was den Figuren in meinem Thriller widerfährt, sondern auch der Thriller als solcher ist ein dreckiges Spiel. Ein Spiel mit dem Leser.

Deine Thriller spielen bis auf eine Ausnahme alle in Berlin. Eine Hommage an Deine Stadt oder eher Kritik?

Martin Krist: Weder noch. Berlin ist die Stadt, in der ich lebe – und in der ich immer leben wollte. Eine Großstadt, vielleicht die einzige, wirkliche Großstadt, die wir in Deutschland haben. Hier trifft hohes Staatsgehabe auf die schmierigen Niederungen der Lokalpolitik, hier herrscht die Wirtschaftsmacht über die soziale Härte. Die verkopfte Hochkultur ernährt sich von der emsigen Subkultur. Es gibt strahlende Flecken für Touristen, ebenso wie die düsteren Ecken, in denen Kriminalität und Gewalt die Oberhand gewonnen haben.

Berlin ist für mich Inspiration satt, jeden Tag aufs Neue.

Gibt es Anfragen für Drehbücher? Gerade beim „Drecksspiel“ kann ich mir das sehr gut vorstellen. Aber würdest Du das überhaupt wollen? Ich denke da gerade an die Verfilmungen der Bücher von Nele Neuhaus, die nicht so toll waren.

Martin Krist: Du hast Recht: Gerade „Drecksspiel“ würde sich hervorragend als rasanter TV-Thriller machen. Und ich wäre der Letzte, der sich dagegen wehren würde. Inwiefern ich dann allerdings Einfluß auf Drehbuch und Umsetzung habe … schwer zu sagen. Denn soviel ist auch sicher: Die Fülle an Figuren und die komplexe Geschichte von „Drecksspiel“ würden eine Filmumsetzung nicht gerade einfach machen.

Was macht für Dich den Reiz einer Lesung aus und wie bereitest Du Dich darauf vor? Liest Du immer dieselben Ausschnitte oder gestaltest Du jede Lesung anders?

Martin Krist: Eine Lesung ist immer etwas ganz besonderes, weil ich im direkten, persönlichen Kontakt mit meinen Lesern und Fans stehe. Ich kann ihnen meine Geschichte(n) aus einem ganz anderen Blickwinkel erzählen – nämlich der des Autors. Die Zuhörer bekommen also nicht einfach nur den Roman vorgelesen, sondern erfahren nebenher: Was bezweckt der Autor? Was hat er sich dabei gedacht? Was hat ihn inspiriert? Wer ist dieser Autor überhaupt?

In der Regel lese ich dazu bestimmte Romanausschnitte grundsätzlich immer, stricke drumherum aber ein variables Rahmenprogramm, das davon abhängt, aus welchen Personen mein Publikum besteht: Schüler in einer Bibliothek? Leser einer Krimibuchhandlung? Fans bei einer Wohnzimmerlesung?

Wie sieht Dein Alltag momentan aus? Schreibst Du schon an einem neuen Thriller oder gehört Deine Zeit noch dem „Drecksspiel“?

Martin Krist: Nach einem intensiven Monat mit sehr viel Lesungen und PR rund um „Drecksspiel“ sitze ich inzwischen wieder die meiste Zeit an meinem Schreibtisch. Der Nachfolger von „Drecksspiel“ möchte geschrieben werden, denn der Erscheinungstermin ist für Oktober 2014 festgelegt.

Lieber Martin, ich danke Dir sehr für Deine Zeit und die interessanten Einblicke. Ich kann es jetzt schon kaum noch erwarten, den Nachfolger vom „Drecksspiel“ zu lesen.

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