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Der Beobachter von Charlotte Link

Samson Segal ist ein Sonderling. Er hatte noch nie eine Beziehung, lebt zusammen mit seinem Bruder und dessen Frau in einem Haushalt, ist arbeitslos und beobachtet andere Menschen … hauptsächlich Frauen. Er träumt sich in ihr „perfektes“ Leben. Besonders angetan hat es ihm seine Nachbarin Gillian, sie führt in seinen Augen ein makelloses Dasein  mit Mann und Kind. Doch dann wird die Idylle zerstört. Gillians Ehemann wird ermordet und der Verdacht fällt sofort auf Samson.

 

Was sich zunächst wie ein spannender Thriller anhört, ist viel mehr. Ich empfinde es eher als spannende Gesellschaftsstudie, beleuchtet Charlotte Link doch ihre vielschichtigen Charaktere aus vielen Blickwinkeln, haucht ihnen Leben ein, gibt ihnen Ecken und Kanten. Das trifft sowohl auf die Opfer als auch auf die Verdächtigen zu. In diesem Buch spielen die Ermittler von der Polizei nur eine Nebenrolle, die Hauptrollen haben eindeutig die „Anderen“. Die Opfer bekommen ein Gesicht und auch die Verdächtigen werden sehr facettenreich dargestellt, das hebt sich wohltuend von andern Krimis/Thrillern ab. Denn dort stehen sehr oft die Ermittler im Focus. Das eine oder andere Mal hat sie mich aufs Glatteis geführt, die Geschichte ist nicht so leicht zu durchschauen und der Schein trügt sehr oft.

Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und beschreibend, durch mehrere Handlungsstränge, die irgendwann zusammen fließen, wird das Buch extrem spannend. Teilweise entsteht Spannung an Stellen, die ich gar nicht vermutet hätte und ich konnte unmöglich aufhören zu lesen. Charlotte Link hat schon immer einen sehr beschreibenden Stil gehabt, manchmal übertreibt sie es aber und so hatte ich immer wieder ein paar Verschnaufpausen beim Lesen. Einige Wiederholungen hätte sie sich wirklich sparen können, da wäre mein Lesefluss gar nicht gestört worden und das Buch hätte ein paar Seiten weniger gehabt. Das ist aber mein einziger Kritikpunkt, denn letztendlich hat mich dieses Buch von Anfang an mitgerissen, der Prolog hat mich sehr gut eingestimmt und nicht zu viel verraten und mit dem Ende war ich auch „einverstanden“.

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