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Engelsgleich

Engelsgleich von Martin Krist – Rezension

EngelsgleichGrandios!

Ein verschwundenes Mädchen. Eine verzweifelte Mutter. Eine grauenhafte Entdeckung. In Berlin wird Hauptkommissar Paul Kalkbrenner zu einem Tatort gerufen. Auf einem Fabrikgelände wurde der verstümmelte Leichnam einer jungen Frau entdeckt. Unweit davon befinden sich stinkende Kloakebecken. Fassungslos müssen Kalkbrenner und seine Kollegin Sera Muth zusehen, wie eine Leiche nach der anderen aus den Gruben geholt wird. Ist unter ihnen auch die verschwundene Merle, die von ihrer Pflegemutter Juliane Kluge verzweifelt gesucht wird? (Klappentext)

 

 

Es geht heftig los im neuen Thriller von Martin Krist. Das Anfangsszenario bekomme ich nicht mehr aus dem Kopf, weil mir da schon klar ist, dass die Geschichte kein gutes Ende nehmen wird. Dann springt Martin Krist in der Zeit etwas zurück. Er versteht es wahrhaftig, von Anfang an Spannung aufzubauen und den Spannungsbogen konstant oben zu halten. Ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert, wie geschickt Martin Krist seinen Plot aufbaut, viele Handlungsstränge eröffnet, sie nach und nach ineinander fließen lässt und am Ende stimmig zusammen führt. Das ist für mich ganz große Thrillerkunst, die leider nur wenige Autoren beherrschen. Martin Krist beherrscht sie perfekt!

Auch dieses Mal – wie schon in der Kalkbrenner-Trilogie – beschäftigt er sich mit Themen, die unter die Haut gehen. Denn er hat nicht seine Fantasie spielen lassen. Nein, diese schrecklichen Dinge passieren … direkt vor seiner Haustür. Auch diesem Thriller merkt man an, dass Martin Krist sich auskennt. Er ist mit den Örtlichkeiten vertraut und er hat gut recherchiert. Und gibt seiner Wut über die schrecklichen Vorkommnisse durch Kommissar Kalkbrenner eine Stimme.

Er erzählt ausgesprochen vielschichtig und seine Figuren sind bemerkenswert authentisch. Er fängt den Alltag in der Patchworkfamilie von Juliane und Yvonne sehr gut ein. Ich habe mich anfangs ein bisschen einlullen lassen von der familiären Atmosphäre und dann kommt ein Anruf, der die Idylle zerstört. Und genau so passiert es, immer wieder. Familien und Beziehungen zerbrechen, wenn ein Kind verschwindet. Er lässt Juliane erzählen. Von ihrer verzweifelten Suche nach ihrer Pflegetochter, von ihrer eigenen problembehafteten Vergangenheit. Ich habe das Gefühl, dass sie mir gegenüber sitzt. Auch wenn ich ihr Handeln teilweise übertrieben fand, musste ich dennoch die ganze Zeit überlegen, ob ich mich in dieser Situation nicht genau so verhalten hätte.

Das Thema, das Martin Krist in den Focus gestellt hat, ließ mich frösteln, die ganze Zeit.

Aber zwischen all den Grausamkeiten ist noch Platz für Gefühle, die Liebe zu einem Kind, die zarte Pflanze der ersten Verliebtheit. Ich konnte mich über das Wiedersehen mit Kommissar Kalkbrenner freuen, den ich für seinen Humor und sein Mitgefühl liebe. Und seine familiären Belange hat Martin Krist perfekt mit der gnadenlos spannenden Story verwoben.

Und wieder überlässt er es mir, ob ich die grausamen Dinge in meinem Kopfkino aufleben lasse oder die Informationen abspeichere und weiter lese. Es muss nicht alles bis ins kleinste Detail beschrieben werden.

Martin Krist erzeugt Spannung auf ganz andere Art.

Viele Cliffhanger, sprachliche Feinheiten und vollkommene Übergänge, all das sind die Markenzeichen von Martin Krist, die jeden seiner Thriller zu etwas Besonderem machen. Am Ende flossen Tränen, was mir bei einem Thriller äußerst selten passiert. Aber Martin Krist hat es geschafft, dass mir sein Thriller Engelsgleich verdammt nah gekommen ist und noch einige Zeit nachwirken wird.

Engelsgleich verbindet auf wunderbare Weise Trieb mit dem Drecksspiel und steht dennoch für sich alleine. Man kann es lesen, ohne die anderen beiden Bücher zu kennen. Aber nach Engelsgleich wird man das Drecksspiel mit ganz anderen Augen sehen und es noch mal lesen wollen.

Das Warten hat sich gelohnt und Martin Krist hat mit Engelsgleich einmal mehr bewiesen, dass er zu den besten Thrillerautoren gehört, die unser Land zu bieten hat.

 

Der Autor:

Martin Krist ist das Pseudonym des erfolgreichen Autors Marcel Feige. Geboren 1971, arbeitete er als leitender Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften und lebt seit 1998 als Schriftsteller in Berlin. (Quelle: Verlagsseite)

Engelsgleich ist im Ullstein Verlag erschienen. Vielen Dank für mein Rezensionsexemplar!

Webseite von Martin Krist

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