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Japantown Rezension

Japantown von Barry Lancet – Rezension

Japantown-RezensionEin neuer Antiheld

Mein Name ist Jim Brodie. Ich bin in Tokio aufgewachsen, lebe in San Francisco und verbringe meine Zeit vor allem damit, antike Vasen zu reparieren. Ab und zu helfe ich der Polizei. Heute Nacht haben sie mich nach Japantown gerufen. Eine japanische Familie wurde auf brutale Weise hingerichtet. Doch das ist nicht alles. Am Ort des Verbrechens fand ich ein japanisches Schriftzeichen – dasselbe Zeichen, das vor drei Jahren bei meiner ermordeten Frau entdeckt wurde. Dies wird der Fall meines Lebens, der Fall, den ich lösen muss, koste es, was es wolle … (Klappentext)

 

Der grausame Mord an einer Familie in einem Einkaufszentrum zeigt mir von Anfang an, auf was ich mich hier eingelassen habe. Aber Barry Lancet schwelgt nicht in dieser Blutorgie, die er sehr behutsam beschreibt. Ich erkenne schnell, was ihm wichtig ist. Und das sind die Hintergründe, in die er mir tiefe Einblicke gewährt. Die japanische Kultur ist so ganz anders. Ich erfahre viel über Land und Leute … vor allem über die kriminellen Vereinigungen. Man spürt zwischen den Zeilen die Liebe des Autors zu Japan. Er kennt sich wirklich sehr gut aus und davon profitiere ich als Leser. Man merkt allerdings auch, dass Barry Lancet eigentlich Bücher über japanische Kunst und Kultur schreibt. In diesen Erzählungen blüht er auf. Vieles ist Fiktion, aber vieles beruht auch auf Tatsachen.

Barry Lancet erzählt sehr ausschweifend und dadurch entstehen immer wieder Längen, die leider den Spannungsbogen etwas lockern. Dabei benutzt er viele landestypische Begriffe, die nicht immer erklärt werden und mich ein bisschen im Regen stehen lassen. Barry Lancet lässt Brodie in der Ich-Form erzählen und überlegen. So bin ich in seinen Gedanken und sehr nah dran. Faszinierend fand ich, wie Brodie so ganz allmählich immer mehr Licht in die tiefschwarzen Geheimnisse bringt. Lediglich einige wenige Kapitel beschreiben Ereignisse, an denen Brodie nicht beteiligt ist, die für mich als Leser aber wichtig sind. Das hat Barry Lancet wirklich sehr gut gelöst.

Nicht so gelungen finde ich, dass er immer wieder vom Hauptthema abschweift. Ich war natürlich neugierig, wie es weiter geht und dann lässt er Brodie über Vergangenes sinnieren und mir immer wieder von seinen Ängsten berichten. Beim ersten Mal fand ich es noch sympathisch, dass so ein harter Kerl, der einige Kampfsportarten perfekt beherrscht, so offen seine Ängste zu gibt und sich ständig Sorgen um seine Tochter macht. Aber das muss er ja nicht ständig wiederholen, so dass ich ihn fast schon für ein Weichei halte.

Die ganze Geschichte ist in 8 Teile bzw. Tage und 80 Kapitel gegliedert. Bei Ortswechseln werde ich schon in der Überschrift darauf hingewiesen und die einzelnen Tage haben vielsagende Überschriften, die mich sehr neugierig gemacht haben. Der Schreibstil ist flüssig und sehr gut lesbar. Barry Lancet versteht es schon sehr gut, Spannung aufzubauen. Brodie erzählt in der Vergangenheit, was mir oft die liebste Erzählform ist und hier perfekt passt.

 

Fazit: Tiefe Einblicke in die japanische Kultur, faszinierend, aber leider nicht durchgehend spannend.

 

Der Autor:

Barry Lancets große Liebe zu Japan nahm vor über 30 Jahren ihren Anfang. Nach einer ersten Asienreise beschloss Lancet, seine Heimat Kalifornien zu verlassen und für längere Zeit in Tokio zu leben. Er blieb über 20 Jahre in Japan, arbeitete bei einem großen Verlag und entwickelte zahlreiche Bücher vor allem über die japanische Kunst und Kultur. Als Lancet eines Tages aufgrund eines Missverständnisses stundenlang von der Tokio Metropolitan Police verhört wurde, beschloss er, einen Thriller zu schreiben: Japantown war geboren.

 

Homepage von Barry Lancet

 

Japantown ist im Heyne Verlag erschienen. Vielen Dank für mein Rezensionsexemplar!

 

Leseprobe

 

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