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Nachtauge

Nachtauge von Titus Müller

Spannend und bewegend

Seit drei Jahren macht der britische Geheimdienst MI5 Jagd auf „Nachtauge“. Hinter diesem Codenamen verbirgt sich eine deutsche Spionin, die Schienen und Brücken zerstört und Verfolger kaltblütig umbringt. Jetzt steht sie vor ihrem größten Coup: der Aufdeckung einer womöglich kriegsentscheidenden großen Operation der britischen Luftwaffe. Diese bereitet die Bombardierung der größten deutschen Stauseeanlagen vor. Erstes Ziel: die Möhnetalsperre.

Hier arbeiten über tausend ukrainische Frauen unter entwürdigenden Bedingungen in einer Munitionsfabrik. Im Lager unterstehen sie dem Befehl von Georg Hartmann. Er gerät unter Druck, weil Gerüchte kursieren, dass er nicht hundertprozentig auf Parteilinie sei. Tatsächlich ist er bei den Arbeiterinnen weit weniger gefürchtet als die brutalen Männer vom Werkschutz. Ahnt Hartmann, dass einige Frauen, unter ihnen auch die ihm sympathische Nadjeschka, einen spektakulären Fluchtversuch planen? (Klappentext)

Titus Müller erzählt hier ein Stück deutsche Geschichte, geschickt verpackt in einen Agententhriller und eine auf Tatsachen beruhende Liebesgeschichte.

Die Gradwanderung zwischen Realität und Fiktion gelingt ihm mit Bravour. Mit seinem Blick für die Details des Alltags macht Titus Müller seine Geschichte so lebendig und kommt mir so greifbar nah. Gerade die Kleinigkeiten haben mir so gut gefallen. Titus Müller ist ein grandioser Erzähler. Er legt so viel Herzblut in seine Bücher und man spürt seine Erzähllust zwischen jeder Zeile.

Die Kombination zwischen Tatsachenroman und Spionagethriller ist perfekt. Der Strang um die deutsche Spionin Nachtauge ist gnadenlos spannend und der Strang in Deutschland ist so tragisch, aber nicht anklagend. Gerade in so einer Geschichte, in der die Bösen von vorneherein feststehen, gibt Titus Müller mir als Leser die Gelegenheit, zu verstehen. Viele hatten ja gar keine Wahl. Das ist so bedrückend, jedes Mal aufs Neue, wenn ich Geschichten aus dieser Zeit lese und das fand ich sehr besonders an diesem Buch. Denn es gibt trotz allem kein eindeutiges „Schwarz und Weiß“.

Die jeweilige Atmosphäre hat Titus Müller so gut eingefangen. Er erzählt so lebendig. Der am Beginn beschriebene Luftangriff auf London ließ mich frösteln und im Laufe der Geschichte gab es sehr viele emotionsgeladene Situationen. Mit dem Bewusstsein, dass vieles so passiert ist, musste ich oftmals heftig schlucken, aber manchmal auch schmunzeln.

Titus Müller hat sehr vielschichtige Charaktere geschaffen, er erzählt die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln und lässt viele seiner Charaktere in der 3. Person zu Wort kommen. So erstellt er für mich ein sehr komplexes Bild. Die spannende Story um die deutsche Agentin Nachtauge hat mich sehr gefesselt und die aussichtslose Liebesgeschichte zwischen Georg und Nadjeschka ging mir sehr nahe. Und es gibt bis in die kleinste Nebenrolle so viele interessante Menschen, die mir in diesem Buch über den Weg laufen. Das macht diese Geschichte so glaubhaft und beeindruckend.

Ein sehr bewegendes und nachdenklich machendes Buch, grandios mit viel Feingefühl und einem Blick für Details erzählt.

 

Vielen Dank an den Blessing Verlag für mein Rezensionsexemplar und an mein Lieblingsleserundenforum für eine kleine aber feine Leserunde.

 

Leseprobe

 

 

Meine Rezension bei Amazon und weitere Infos zum Buch findet ihr hier.

 

 

 

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